Fausts Erben

Die Geschichte des Weingutes, deren Bewohner und Erbauer

Die Gebäude

Das Auszugshaus

Das Bauernhaus ist wahrscheinlich das älteste Gebäude und möglicherweise später mal das „Auszugshaus“ gewesen, wo die Eltern untergebracht wurden, wenn die Kinder das Haupthaus nutzen wollten. In manchen Unterlagen wird es auch das Gesindehaus genannt. Wir bezeichnen es heute als „das Bauernhaus“.

Zwei Inschriftentafel sind belegt, die eine im Giebel:

Ora et Labora
Nicht zu niedrich, nicht zu hoch
Frisch gebaut, gehofft auf Gott,
Unsre Zeit vergeht geschwind,
Nehmt sie an wie ihr sie fint
Ist sie bös, laßt sie vorüber,
Ist sie gut, so freut euch drüber

Eine zweite über dem Eingang ist seit der Wende verschollen, zum Glück gab es alte Zeichnungen und das Foto eines Hobbyfotografen. Die neuen Besitzer haben eine neue Tafel herstellen lassen, was hier in diesem Artikel näher erläutert wird.

Von der Existenz einer dritten Tafel erzählten uns Passanten, die Sache mit Napoleons Schatz, da haben wir aber keine Nachweise dazu.

Bei diesem Haus ist übrigens als einziges ein Keller erhalten. Das andere Haus hatte sicher auch einen Keller, aber dafür gibt es nur wenige Anhaltspunkte.

 

Das Wohnstallhaus

Dieses große Haupthaus hatte einen sehr schönen, charakteristische Fachwerkgiebel zur Straße hin, der leider komplett eingestürzt war. Auf alten Zeichnungen und Fotos sieht man neben dem imposanten Fachwerk auch schöne Fledermausgauben. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, diente als Gefangenenlager und Bürogebäude. Im zweiten Weltkrieg wurde es durch Brandbomben im hinteren Bereich stark zerstört. Im Ergeschoss finden sich gemauerte Rundbögen, Reste alter Gewölbe. Alte Pläne haben im Erdgeschoss eine Waschküche und Pferdeställe eingezeichnet, die Wohnungen waren im ersten und zweiten Obergeschoss.

Bei uns heisst es heute das „Herrenhaus“, die früheren Besitzer hatten hier immer „Bauernhaus“ zu gesagt. Das Denkmalamt spricht hier vom „Wohnstallhaus“. Das Haus war früher deutlich länger als heute, der Vierseithof war an der Südwestecke geschlossen.

 

Der Stall

Das Gebäude im Westteil, oder wenn man durch das Tor kommt, geradezu, war als Stall konzipiert. Kleine Rundbogenfenster, Sandsteinsäulen mit Ziegelgewölbe und Zugang zu einem Tonnengewölbe. Das Obergeschoss mit Fachwerk war im Krieg eingestürzt und wurde gegen ein Flachdach ersetzt. Zuletzt standen Schweine hier im Stall, es ist aber anzunehmen dass die Fausts auch noch weiteres Vieh hatten. Vom Stall war nur noch eine Außenmauer übrig, die wir eigentlich erhalten wollten. Der Neubau sollte diese alte Mauer als gestalterisches Element integrieren. Die praktische Umsetzung scheiterte jedoch der Stabilität der Mauerreste, so dass von diesem Stall heute nur die Fensterstürze und Sandsteinsäulen erhalten sind.

Die Mühle

Hinter dem Stall, im Westen des Grundstückes, gab es auch eine Mühle. Wir haben leider bisher keine Bilder oder sonstige Unterlagen dazu. Aber in den alten Grundrissplänen ist hier immer ein großer sechseckiger Grundriss eingezeichnet, der typisch für Mühlen ist. Die Nachbarn wissen von einer Schrotmühle zu berichten, die jedoch mit der Eröffnung der Leutewitzer Windmühle im Jahre 1839 an Bedeutung verlor. Von der Geschichte als Getreidemühle zeugt auch noch das Relief im Schlussstein des Herrenhauseinganges, welches eine Getreideähre zeigt.

Die Scheune

Die Nordseite wurde von einer großen Scheune mit hohem Dach und viel Fassungsvermögen dominiert. Sie überdachte die heute noch erhaltene Tonne (den ebenerdigen Gewölbekeller aus Plänerstein), und diente als Stellplatz für die Kutschen und Wagen, hatte einen Futter- und Heuboden, und mehrere große Tore. Einige Mauerreste sind hier erhalten geblieben, und geben einen Eindruck der alten Grundrisse. Nach der Wende entstanden hier inoffiziell 2 Reihen Garagen, und wurde gerne von verschiedenen Autoschraubern genutzt.

Die Tonne

Der Gewölbekeller ist unser derzeitiges Schmuckstück auf dem Hof. Ein Tonnengewölbe komplett aus Naturstein in Lehm gesetzt, mit 70cm dicken Wänden. Der Keller ist nur halb in die Erde eingelassen, beinahe ebenerdig. Über dem Türsturz im Eingang finden sich die Initialen J.M.M. und die Jahreszahl 1763. Vielleicht als Weinlager genutzt, vielleicht als Winterlager für Gemüse. Direkt daneben stand noch ein zweiter Keller, der aber eingefallen war und dem Neubau weichen musste. Als wir das Grundstück übernehmen, hat die Tonne ein großes Loch im Dach: ein recht großer Ahornbaum hatte seine Wurzeln tief in die Fugen getrieben. Das alleine sollte aber noch nicht zum Einsturz gereicht haben. Wir vermuten das der letzte Investor wahrscheinlich versucht hatte, den Baum von der Tonne zu reissen, und dabei das Loch erzeugt hat. Wie dem auch sei, wir haben sie wieder aufgebaut, mit Bogenlehre, Plänersteinen und Lehm. Und sie enthält jetzt versteckt in einer der Mauern unsere Grundsteinlegungsdokumente!

 

Der Hof

Der Hof war mit verschiedenem Klein- und Wildpflaster ausgelegt. Man findet mehrere Rinnen und Abläufe, die sicher aus verschiedenen Epochen stammen. Im Hof stand ein sehr schönes großes Taubenhaus auf einer Sandsteinsäule, auf alten Fotos ist der Misthaufen in der Mitte mit Hühnern drum herum. Der jetzige Nussbaum scheint nach dem Krieg gepflanzt worden zu sein, er ist ca. 50 Jahre alt.

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