Fausts Erben

Die Geschichte des Weingutes, deren Bewohner und Erbauer

Napoleons Schatz

Es hält sich hier tatsächlich das Gerücht, Napoleon habe hier auf dem Grundstück oder in der Nähe einen Schatz vergraben. Was ist da dran?

Spurensuche

Die ersten Hinweise erhalten wir von Spaziergängern und Passanten, die sich für unser Vorhaben interessieren. Zu dem Zeitpunkt sind die Gebäude noch Ruinen, und wir kämpfen uns erste Wege durch den verwilderten Garten. Die Spaziergänger erzählen uns, dass am kleinen Gesindehaus (wir nennen es heute das Bauernhaus) einst eine Tafel hing, wo zu lesen war, dass Napoleon hier einen Schatz vergraben hatte. Die Tafel ist nicht mehr vorhanden, und taucht auch leider nicht in anderen Chroniken oder Zeichnungen auf.

Ein Passant wusste aber zu berichten, dass der alte Faust einst einen Wünschelrutengänger deswegen geholt hatte, der das Gelände abgesucht hat. Vorher wurden jedoch alle Kinder vom Hof vertrieben, so dass niemand sonst sehen konnte, ob und wo die Wünschelrute ausgeschlagen hat. Somit tappen wir hier allerdings auch weiterhin im Dunkeln. Die alte Inschrift im Giebel (in diesem Beitrag beschrieben) erwähnt jedoch Napoleons Vorbeiziehen um 1813. Tatsächlich war Napoleon sogar des öfteren in Dresden (ganze 11mal zwischen 1807 und 1813!)

Das Werbeagentur des Immobilienmaklers, der hier Reihenhäuser errichten wollte, greift dieses Thema auch auf und strickt eine kleine fiktive Geschichte daraus, die sie auf den Werbeflyern und damit ins Bewusstsein der Anwohner verbreiten. Nachlesen kann man das zum Beispiel hier.

Die Nachbarn erzählen uns noch, dass nach der Wende auch mal der eine oder andere Schatzsucher hier mit modernen Metalldetektoren übers Grundstück lief. Jedoch bei der Masse an altem Metall, das wir hier ausgraben (bis hin zu größeren Motoren) sicherlich ein ermüdendes Unterfangen, da es quasi nur Fehlalarme gibt. So kommen wir also auch nicht weiter.

Da habe ich doch noch mal die Literatur bemüht, und bin tatsächlich fündig geworden: Im Buch „Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 1, 2.“ von Johann Georg Theodor Grässe, Aufl., Dresden: Schönfeld, 1874 Neuaflage mit ISBN-10: 3846001872 steht im Kapitel 136:

Vergrabene Schätze in und bei Dresden.
Ehe der Marschall Gouvion St. Cyr, der bekanntlich von Napoleon vor der Schlacht bei Leipzig in Dresden zurückgelassen worden war, sich den vereinigten Russen und Oesterreichern ergeben mußte (11. Novbr. 1813), ließ er angeblich die ganze französische Kriegscasse an vier Stellen sechs Ellen tief vergraben und es sollen auch alle diejenigen Personen, welche er dazu verwendet hätte, auf die Seite geschafft worden sein.
Es sollen diese vier Schätze liegen in Dresden im Garten des Kämmerer’schen Hauses auf der Bautzner Straße (Nr. 26), hinter dem Waldschlößchen, wo ein Theil des französischen Lagers war, zwischen der frühern Simmig’schen Schneidemühle und dem Cavalerieschießplatz,
angeblich auf dem Gräße’schen Waldgrundstück an der alten und neuen Radeberger Straße,
in der Nähe des Dorfes Cotta beim Schusterhause,
und mitten auf der Chaussee ein Stück über das Chausseehaus hinaus auf der Straße nach Königsbrück. Zurückgekommene Franzosen haben in den 20er und 40er Jahren die Stelle hinter dem Waldschößchen sehr eifrig wieder gesucht, aber nicht finden können.

Jetzt wirds natürlich interessant. Das Schusterhause lag tatsächlich hier ganz in der Nähe, ungefähr da wo jetzt das Honda Autohaus Fugel an der Hamburger Straße liegt. Dieses Haus war ein bekanntes und beliebtes Tanz- und Ausflugslokal, und wurde bei einer Flut 1897 von der Weisseritz weggespült. Und Cotta war damals noch ein Dorf. Das passt schon mal. Aber 6 Ellen tief vergraben ist ein Menge, und je nachdem ob es französische, preußische oder sächsische Ellen sind, auf die der Verfasser sich beruft, liegt der Schatz 3 bis 6m tief… Wie sollen wir den jemals finden?

Sowas geht Einem natürlich bei jedesmal durch den Kopf, wenn man den Garten umgräbt, und wie aufgeregt waren wir, als wir bei der Grundsteinlegung auf ein Geheimversteck in einer der Natursteinmauern stießen:

Wir waren auf der Suche nach einer Stelle, die die Baumaßnahmen sicher übersteht, und wo wir ein paar Pläne, Fotos und Geldstücke einbauen können. Am Tonnengewölbe war gerade erst der Sandstein-Türsturz eingestürzt, und hatte ein Stück der Seitenwandmauer mit abgerissen. Das gab den Blick auf die dahinterliegende Mauer frei, denn die eingefallene Mauer war anscheinend direkt vor die alte Wand gesetzt worden. In dem sauber gesetzten Naturstein fielen uns mehrere rote Ziegelsteine auf, die da augenscheinlich nicht hingehörten. Diese ließen sich einfach herausziehen, und gaben den Blick auf einen Hohlraum frei. Dieser war sorgfältig angelegt: ein großer Sandsteintrog war in die Mauer eingepasst, große flache Plänersteine bildeten eine feste Einfassung. Der Hohlraum war ca. 50 x 50 x 50cm gross. Mit zittrigen Händen griffen wir hinein, und fanden – nur Sand.

 

Wurde dieser Hohlraum je als Versteck genutzt, und hat ihn jemand vor uns leer geräumt, oder hatte der einen ganz anderen Zweck? Na gut, wir hatten jedenfalls erst mal einen schönen Platz für die Grundsteinlegung, wie hier im Blog nachzulesen.

Und der Schatz? Die Kinder haben ihn inzwischen gefunden – beim 250jaehrigen Hoffest gabs eine spannende Schatzsuche für sie. Und tatsächlich fanden sie dann eine Truhe voll Süßigkeiten…

Aber die Erwachsenen suchen trotzdem noch weiter. Wer andere sachdienliche Hinweise hat, weitere Geschichten und Gerüchte dazu kennt, meldet sich bitte vertraulich bei mir und kommentiert hier unten – ich würde den Fund auch teilen 🙂

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