Fausts Erben

Die Geschichte des Weingutes, deren Bewohner und Erbauer

Kartenmaterial

Auf dieser Seite möchte ich Euch ein paar interessante Pläne der Gegend vorstellen, um einen Eindruck zu vermitteln, wie sich Cotta und die Dresdner Gegend im Laufe der Jahre veränderte und entwickelte.
Die Karten in besserer Auflösung sind alle im sogenannten Kartenforum der SLUB (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek) bzw der zugehörigen Fotothek zu finden, entsprechende Details hab ich hier referenziert. Dieses Archiv kann ich immer nur wieder zum Stöbern empfehlen, da kann man viel Interessantes finden! Die Karten sind nicht einfach zu finden, deshalb habe ich hier mal die schönsten verlinkt und beschrieben.

Falls ihr noch andere Karten kennt, die weitere Details offenbaren, schreibt mir einen Kommentar unten rein!

Die kleinen Bilder hier im Text öffnen sich zu Screenshots mit den interessantesten Details, die Originale der SLUB sind jeweils im Text verlinkt.

Los gehts mit der Ur-Öder Karte

Matthias Oeder kartografiert Sachsen mit handschriftlichen Tafeln, genannt der Ur-Öder. Darunter auch das Dorff Cotha um 1586 (Original). Das Dorf besteht zu dieser Zeit aus einer Straße mit je 9 Häusern auf jeder Seite, mit angrenzenden eigenen Hufen für Acker und Waldbau.
Eine kleine Allee führt zur Elbe, und Leutewitz und Omsewitz sind noch etwas kleinere Dörfer.
Die Karte ist übrigens “gesüdet“, d.h. Süden ist oben, die Elbe fliesst am unteren Bildrand vorbei. Den Norden immer nach oben zu zeichnen, hatte sich in Europa nämlich erst im 19. Jahrhundert etabliert.

Dresden im Siebenjährigem Krieg

Hier ein sehr schöner, handkolorierter Plan (Original) von Dresden im Siebenjährigem Krieg (1756–1763), durch Zufall ist auch Cotta noch mit drauf und ist auch sehr schön detailliert dargestellt: alles einzelne Häuser entlang der Strasse, noch sind keine mehrseitigen Höfe zu erkennen. Unser Müllersches / Faustsches Gut ist nicht klar zu erkennen, vielleicht sehr ihr es?
Ein Teich gibt es, wo heute das Hebbelbad ist, mehrere Bäche zeugen vom sumpfigen Ursprung Cottas („Froschkotte“). Briesnitz hat noch keine Kirche, und überall in der Nähe sind militärische Bollwerke und Schanzen zu erkennen.

Berliner Meilenblätter

Die Berliner Meilenblätter von 1785 umfassen einen grossen Bereich Sachsens, im Kartenforum muss man sich ganz schön durcharbeiten, bis man Cotta findet (Original). Dafür gibt einen schönen Strassenplan. Natürlich auch nicht „genordet“, sondern diesmal „gewestet“. Bemerkenswert ist vor allem, dass es jetzt schon mehrere große Mehrseithöfe gibt. Die heutige Struktur zeichnet sich schon ab: Hielschers Gut gegenüber, am Teich der später zum Freibad wurde, und weiter vorne, an der Rainhardtstrasse wo heute der Aldi ist, der charakteristische Platz, um den sich heute täglich der Verkehr quält…

Plan von 1786 mit Steinbrüchen

In diesem „Plan von der Churfürst. Saech. Residentz Dresden: Nebst der daselbst herum befindlichen Gegend“, der so ziemlich alle Umgebungsdörfer von Dresden kartografiert hat, finden sich weitere schöne Details in Cotta: fast alle Höfe bestehen nun aus mehreren Häusern. Verglichen mit dem ein Jahr älteren Plan vorher sieht die Dorfstrasse jedoch deutlich anders aus, man fragt sich wer hier wirklich vor Ort war und wer andere Pläne abgezeichnet hat. Was ich aber besonders interessant finde sind jedoch die eingezeichneten Plänersteinbrüche gleich nebenan (kein Wunder das alle Häuser aus Plänersteinen gebaut worden sind), und als lustiges Detail die quadratisch angelegten Wäldchen des Königs, Remisen genannt. Auch hier entdeckt man wieder etliche Pulvermagazine der Friedrichstadt, die anscheinend aus Sicherheitsgründen immer mitten in den Feldern lagen.

1790: Karte der Umgegend von Dresden

Wieder eine Karte (Original), auf der der Stadtplan von Cotta anders aussieht. So schnell kann man ein Dorf doch nicht umbauen 😉
Auch die Remisen sind nicht so detailliert dargestellt, und es ist schwer, die Lage unseres Hofes auszumachen. Schade weil ansonsten ist die Zeichenqualität sehr hoch und jeder Hügel eingezeichnet ist.

 

Dresden und Umgebung: Gedächtnis-Tafel für das Jahr 1813

Auf dieser Karte (Original) findet man neben viele Details zu den anderen Vorstädten (Pieschen, Übigau, Striemen etc) natürlich auch Cotta wieder. Der Strassenzug sieht wieder vertrauter aus, unser Gut kann man gut erkennen: der einzige richtige Vierseithof in der Strasse, auch der Steinbruch direkt hier in der Hebbelstrasse (damals noch Wölfnitzerstrasse) ist eingezeichnet. Das oben erwähnte quadratisch angelegte Wäldchen wird inzwischen als Fasanengehege bezeichnet.

Schlacht bei Dresden 1813

1813 ist auch ein Jahr der Schlachten mit Napoleon. Diese Karte besteht aus 2 Blättern, welche die Stellungen der einzelnen Garnisonen während der Schlacht bei Dresden zeigen, am 26. und 27. August 1813. Auf dem ersten Blatt sieht man eine französische Streitmacht mitten durch Cotta gehen. Auch das Hauptbaus des alten Müller wurde getroffen, wie wir ja aus der Inschrift im alten Giebel schon erfahren haben:

Zum 2. Male – Anno 1813 schon,
vorbei zog hier Napoleon.
Der Kugeln viele traf das Haus,
hielt standhaft diese Zeiten aus,

Einige Kanonenkugel aus dieser Schlacht lagen dann übrigens noch bis in die 60er Jahre hinein zur Mahnung auf dem Giebel des Haupthauses.

1821 Mühlenarchiv Rapp mit Leutewitzer Windmühle

Eine etwas gröbere Karte (Original), hier jedoch bemerkenswert zum ersten Mal die Leutewitzer Windmühle eingezeichnet. Jedoch weder eine Mühle in Cotta (wie gerne hätte ich hier mal einen Hinweis gefunden), noch in Löbtau oder Ockerwitz (obwohl es hier nachweislich schon Mühlen gab)…

 

1831 Gebiet um den Zschoner Grund

Die Gegend ums Dorf Chemnitz und dem Zschoner Grund (Original): die Zschonergrundmühle (als Ockerwitzer Mühle bezeichnet) ist verzeichnet, die Leutewitzer Mühle jedoch nicht. Was soll man von diesen ganzen Karten halten? Damals war das Leben eben noch einfacher. Cotta ist nur am unteren Rand vertreten, was noch auffällt ist ein größer Plänersteinbruch an der heutigen Steinbacher Strasse.

1866 Plan der Königl. Polizei Direction zu Dresden

Von diesen Plänen ist das hier mein Lieblingsplan, von der Polizeidirektion zu Dresden, gezeichnet vom Polizei-Commißar Oberleutnant Behrisch. Sehr detailreich verzeichnet er hier jede Ton- und jede Lehmgrube, die Ziegeleien und Steinbrüche. Jeder Weg und jedes Gebäude wurde eingezeichnet. Das Müllersche Gut sehr schön zu sehen. Der sechseckige Grundriss späterer Karten am alten Stall, den wir immer als Mühle interpretieren, gibts hier noch nicht.
Witzige Details finden sich in Richtung Dresden-Friedrichstadt: das königliche Feuerwerkslaboratorium, die Senkgrube der Gasanstalt oder das Schullehrerseminar. Sehr schön, gefällt mir sehr gut!

1912 Cotta mit geplanten Strassen

Fast 50 Jahre später, Cotta ist inzwichen zu Dresden eingemeindet: ein sehr detaillierter Stadtplan der Stadt: Cotta mit seinen großen Gütern: Ritters Gut, Faustsches Gut, Hielschers Gut. Die XIII. Bürgerschule in der Strasse. Das hebbelbad. Unser Weingut mit dem sechseckigen Grundriss, den wir immer noch als Mühle vermuten. Besonders interessant hier die Strassenplanung: diverse geplante Strassen sind schon gestrichelt eingezeichnet, eine soll von der Grillparzerstrasse durch unsere Weingut gehen! Gut dass sich der alte Herr Faust da nie drauf eingelassen hat. Obwohl wohl jahrelang versucht wurde, ihm die Strasse hier zu verlegen. Ein Augenzeuge erzählte mir, der alte Faust habe immer gewettert „Ulbricht hats nicht geschafft, und Honecker wird es auch nicht schaffen, hier eine Strasse durchzubauen!“

1945: Karte mit Kriegsschäden

Nach den Luftangriffen 7.10.1944, sowie 1945 am 16.1., 13./14.2., 15.2., 2.3. + 17.4. wurde das gesamte Dresdner Stadtgebiet in Bezug auf seine Beschädigungen aufgenommen (Original). Hier der Bereich um Cotta herum: der Rangierbahnhof war ein strategisch wichtiges Angriffsziel, worauf die recht starken Bombenschäden hier in der Gegend zurückzuführen sind.
Folgenden Hintergrund haben die eingefärbten Gebäude:
schwarz – total zerstört
blau – schwer beschädigt
grün – mittelschwer beschädigt
rot – leicht beschädigt
Wie man sieht und auch hier zu lesen war, wurden der Stall und Teile des Haupthauses beim Angriff vom 16.01.45 stark zerstört. Auch in der Strasse etwas weiter, die Kunstgiesserei Smolke in der Hebbelstrasse 14, wurde schwer getroffen:
Zitat aus http://hebbelstrasse.de/
– 17.4. 1945 Dienstag 14 Uhr 264 Fliegeralarm: Sprengbombentreffer durch die 8. Flotte der USAAF beim letzten Luftangriff auf Dresdens Rangierbahnhöfe, zwei schwere Bomben treffen das Büro und das Giessereigebäude, das Wohnhaus Hebbelstr.14 und fast alle Gebäude werden zerstört, eine kleine Bombe hinterlässt im Hof einen Bombentrichter direkt neben dem Luftschutzkeller [die Belegschaft und Bewohner des Wohnhauses retten sich rechtzeitig in den Luftschutzkeller und überleben unverletzt]

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